

(oder Anjaly und Rohan)
Anjaly ist eine wunderschöne junge Frau, sie lebt in einem Vorort
von Mumbai. Sie könnte eigentlich glücklich sein, sie hat studiert,
gegen den Widerstand ihrer Eltern und sie hat einen guten Job in
einer Computerfirma. Sie entwickelt Computerprogramme und steht
mit beiden Beinen mitten im Leben. Sie arbeitet gern, lacht,
geht gern ins Kino, oder tanzt mit Freunden, sie ist eben ein ganz
normaler junger Mensch. Während ihres Studiums in London ging
sie gern ins Theater. Einmal hatte sie sich Romeo und Julia
angesehen und war von diesem Stück sehr begeistert.
Seit einiger Zeit aber hat sie sich verändert. Sie ist unglücklich
verliebt. Der junge Mann arbeitet um den es geht arbeitet bei ihr
in der gleichen Firma und sitzt nur ein paar Zimmer weiter.
Ihre heimliche Liebe heißt Rohan und lebt mit seinen Eltern
ebenfalls in Mumbai und er hatte ein tolles Motorrad. Anjaly liebt
Motorräder. Rohan war morgens ihr erster Gedankte, wenn sie
die Sonne sah, und er war abends ihr letzter Gedanke, wenn die
Sonne unterging. Überall wo sie hinsah sah sie ihn.
>>Ach Anjaly wache aus Deinen Träumen auf.<<
Jeden Morgen wenn sie mit ihrem kleinen roten Auto zur Arbeit
fährt dann fällt Anjaly sehr schwer sich zu konzentrieren. Um
nicht zugeben zu müssen das sie verliebt ist, streitet sie sich
ständig mit Rohan, man kann sagen bei den beiden fliegen die
Fetzen. Sie hat Angst sich zu verraten, und lässt keine Gelegen-
heit aus ihm ihre angebliche Abneigung zu zeigen. Ihre Kollegen
bleibt dieses natürlich nicht verborgen und des Öfteren bekommen
beide schon mal zu hören „was sich neckt das liebt sich“. Sie lachen
dann alle und Anjaly lacht mit, aber wie gezwungen dieses Lachen ist
kann sie im Moment noch verbergen aber wie lange. Sie hat sich
letzte Woche das Buch „Roméo und Julia“ gekauft und liest jede
freie Minute.
Am gestrigen Abend kam ihre Mutter ins Zimmer und fragte sie
was ist eigentlich mit dir los, du bist neuerdings immer so traurig
hat das mit deiner Hochzeit zu tun. Anjaly erschrak. Was für eine
Hochzeit. Ach liebe Anjaly hat dein Vater noch nicht mit Dir ge-
sprochen, wir haben heute Deine Hochzeit festgelegt mit dem Sohn
seines Chefs. Anjaly war wie vor den Kopf gestoßen. Nein Mama.
Jetzt auch der Vater herein. Nein Papa ich heirate nicht, doch
bisher haben wir dir alles erlaubt und jede Freiheit gelassen
aber diesmal wirst Du Dich fügen müssen. Und Du kennst doch Sahir
auch. Ja Anjaly kannte ihn, er gehörte ja zu den Freunden mit denen
sie sich des öfteren traf, er sah gut aus, hatte ein wunderschönes
Haus, war nett aber sie liebte ihn nicht. Anjaly begriff dass dieses
Mal nicht so einfach Nein sagen konnte und wurde nur noch trauriger.
Ihr kam es in den Sinn das eine Hochzeit vielleicht ein Ausweg für
sie wäre rund sie würde Rohan vergessen können wenn sie erst einmal
verheiratet wäre, sie stimmte schließlich der Hochzeit zu.
Ihre Eltern verließen glücklich das Zimmer.
Sie nahm ihr Buch in die Hand und wollte wieder lesen, das wollte
ihr aber heute gar nicht gelingen, ach mein Romeo was mach ich
nur. Sie schaute auf und sagte sich, ja so wie den beiden geht
es mir. Nie werde ich meinen Romeo bekommen oder mit ihm
glücklich sein können. Was soll ich nur machen. Zu ihren Freunden
und Kollegen sagte sie nichts. Gott sei Dank hatte sie Sahir nach
dem Gespräch mit ihren Eltern nicht gesehen. Er ging ihr wohl aus
dem Weg. Sie bemerkte seit einigen Tagen das ihr auch Rohan aus
dem Weg ging und er seltsamerweise sehr ruhig und still war. Sahir
wird wohl mit ihm gesprochen haben. Das Datum der Hochzeit
rückte immer näher. Gestern war das Brautkleid angekommen.
Ein Traum von einem Kleid aber Anjaly sah diese Schönheit nicht,
sie suchte nach einem Ausweg. Doch der war längst nicht in Sicht.
Wenn jemand diese junge wunderschöne Frau in ihrem Zimmer sah
würde er nicht vermuten, dass sie in ein paar Tagen heiraten sollte.
Nein eine glückliche Braut sah anders aus. Heute hat sie sich von
allen Arbeitskollegen verabschiedet und ihnen gesagt das sie in
drei Tagen heiraten wird. Als sie sich dann von Rohan verabschie-
dete sah sie ihm in die Augen und es gab ihr ein Stich ins Herz,
ihr entging der Blick, den Rohan ihr zuwarf, sie war einfach zu
traurig. Sie fuhr zur großen großen Brücke, setzte sich auf einen
der vielen Bänke die am Ufer des Flusses standen und fing an zu
weinen. Sie sah den Liebespaaren zu und die Tränen flossen ihr nur
so über die Wangen. Ein Pärchen das in ihrer Nahe gesessen hatte
kam und fragte sie was los wäre. Anjaly schüttelte nur den Kopf und
senkte ihren Blick. Nach einer Weile legte sich eine Hand auf ihre
Schulter. Sie erschrack und sah auf. Sie blickte in Rohans traurige
Augen. Er nahm ihre Hand und sagte Anjaly wir müssen reden,
komm wir fahren zu mir, sie nickte, stand auf und ging einfach mit.
Sie hatte keine Kraft mehr. Wie im Traum setzte sich sich auf das
Motorrad, klammerte sich fest an ihn und sie fuhren los.
Bei Rohan angekommen, war sie noch immer nicht fähig zu reden
und setzte sich still auf den Sessel im Rohans Zimmer. Warte ich
hole uns etwas zu trinken sagte Rohan und verließ das Zimmer.
Anjaly stand auf und sah sich um. Das Zimmer war sehr liebevoll
eingerichtet, es hatte ein großes Bücherregal, neugierig ging sie
darauf zu. Was war das. Da stand „Romeo und Julia“ im Regal. Sie
nahm das Buch in die Hand, drückte es an sich und stand da wie eine
Statue als Rohan wieder ins Zimmer kam.
Sie blickte ihn an. Er hatte eine Flasche Wein, geholt, zwei Gläser
und eine Rose lag auch auf dem Tablett. Er stellte das Tablett auf
den Tisch sah Anjaly an und sagte plötzlich, „Weist Du eigentlich das
Du schon lange meine heimliche Liebe bist und ich dich nur noch Julia
nenne?" Anjaly antwortete: "und ich Dich schon lange Romeo." Mehr
war nicht zu sagen. Alles war gesagt. Er breitete die Arme aus,
Anjaly ließ das Buch fallen und flog in seine Arme. Bei beiden flossen
die Tränen. Er küsste sie ganz sanft und sie ließ es geschehen. Sie
tranken den Wein, sagten nicht viel, sahen sich nur an. Rohan stand
auf kam auf Anjaly zu und küsste sie, nahm sie leidenschaftlich in die
Arme, wieder ließ sie es geschehen, denn sie liebte und sie wurde
geliebt. Engumschlungen schliefen beide ein.
Anjaly wachte sehr spät auf. Sie lag allein, erschrak plötzlich, was
mache ich hier und was habe ich getan. Wie kann Rohan mich jetzt
noch lieben ich, Rohan kam ins Zimmer, und küsste sie wieder. Anjaly
dachte nur er liebt mich doch, denn er küsst mich genau wie vorher.
Jetzt gab es kein Halten mehr. Es brach alles aus ihr heraus,
"Rohan was soll ich machen. Ich soll in zwei Tagen heiraten, aber
ich will und kann nicht mehr ohne Dich leben." Zärtlich nahm er sie
in den Arm, küsste sie und sagte: "ich auch nicht, wenn Du wirklich
willst dann gehen wir den Weg den Roméo und Julia gegangen sind."
Anjaly nickte.

Still zogen sich beide an, sein Blick fragte nur noch einmal, er erhielt
die gleiche Antwort. Ich will nicht nach Hause sagte Anjaly als er aufs
Motorrad stieg, nein wir fahren dorthin wo wir immer zusammen
sind, sie drückte sich wieder an ihn und sie fuhren durch eine
sternenklare Nacht. Auf der Brücke angekommen beschleunigte
Rohan, riss das Lenkrad herum, nahm Anjaly in den Arm und es
kam was kommen musste, sie stürzten ins Wasser. Als man ihre
beiden Leichen fand konnte man sie nicht trennen sie hatten sich
fest umschlungen, erst jetzt erkannten Anjalys Eltern was sie von
ihrer Tochter verlangt hatten und das Anjaly aus Liebe zu ihrem
Roméo freiwillig mit ihn in den Tod gegangen war.

Wenn nicht im Leben so sollten sie doch im Tod verbunden bleiben.
Vielleicht würden sie beide in einem späteren Leben wieder sehen.
geschrieben von Anjaly
im Hintergrund läuft ein instrumetales Stück aus " Kisna " von " A.R. Rahman "